Nur was ich bewusst wahrnehme, kann ich verändern

– von Anke Wagner

Viele Menschen erleben, dass Sie im Alltag dauerhaft gestresst sind. Sie fühlen sich hilflos, wissen nicht, was sie verändern sollen und versuchen weiterhin, das Pensum an täglichen Anforderungen zu bewältigen. Meist gelingt es sogar eine Zeit lang, wenn sie sich zwischendurch angemessen erholen können.

Schwieriger wird es, wenn zu viel gleichzeitig in unser Leben drängt. Unvorhergesehene Ereignisse wie Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung vom Partner oder eine schwere Krankheit, können uns dann aus der Bahn werfen. Dann fühlen wir uns nur noch überfordert und haben keine Kraft  mehr.                                                                        

Einerseits müssen wir dann unseren Alltag weiter bewältigen, andererseits sehnt sich die Seele nach innerem Raum, um die Ereignisse entsprechend zu verarbeiten und wieder Kraft zu schöpfen. Mit der Zeit entsteht eine innere Spaltung: Ich muss meine Bedürfnisse zunehmend verdrängen und rationalisieren, um im Alltag funktionieren zu können. Gelingt dies erfolgreich, entwickelt sich immer mehr eine chronische Anspannung im Körper, die zu Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen und zunehmender Erschöpfung führen kann. Oftmals ist dann der körperlich-seelische Zusammenbruch der einzige Ausweg, um die Erschöpfungsspirale endlich anzuhalten.

Doch es geht auch anders. Diese Fragen können zunächst hilfreich sein:

  • Nehme ich meine persönlichen Bedürfnisse angemessen wahr?
  • Belasten mich Konflikte aus meiner Vergangenheit, die ich bisher nicht lösen konnte?
  • Bin ich erfüllt von meinem Leben, meiner Parterschaft, meinem Beruf? Wenn nicht, was hindert mich daran, etwas zu verändern?
  • Ist die Terminfülle in meinen Leben dazu da, mir nicht selbst begegnen zu müssen?

Die körperliche und seelische Selbstwahrnehmung zu vertiefen, ist der erste Schritt in Richtung Veränderung. Das bedeutet, dass wir  uns selbst gegenüber öffnen und Gedanken, Gefühle und Empfindungen zugestehen, die wir sonst verdrängt oder ablehnt haben. Denn nur, was ich bewusst wahrnehme, kann ich auch verändern.

Im nächsten Schritt geht es um die Entwicklung liebevoller Selbstfürsorge und Mitgefühl. Meist fällt es uns leichter, uns um andere zu kümmern, als um uns selbst. Das kann auch bedeuten, dass klar wird, dass wir bestimmte Umstände in unserem Leben ändern müssen, damit wir wirklich unseren eigenen Weg gehen können.

Da mit diesen Schritten meist auch Ängste und unbewältigte Erfahrungen aus der Vergangenheit auftauchen können, kann es ratsam sein, sich dabei therapeutisch begleiten zu lassen.